Beratung zu Problemen mit Faltenwespen

Im Regelfall sind die Landschaftsbehörden (Untere Landschaftsbehörden) Ansprechpartner für artenschutzrechtliche Fragen hinsichtlich des Vorkommens von Neststaaten der Sozialen Faltenwespen im Siedlungsbereich.

Fragen und Hinweise zur Problematik von "Wespennestern" im Siedlungsbereich

Handlungsbedarf und Gefährdung durch Stiche.

Wenn Haus- und Grundbesitzer ein Nest der Sozialen Faltenwespen bei Unteren Landschaftsbehörden, Feuerwehr oder Kammerjägern melden, dann hat dieses in der Regel schon eine gewisse Größe erreicht. Es handelt sich daher schon aufgrund der Vorgeschichte der Entwicklung dieses Nestes von Wochen oder Monaten nicht um einen "soeben" erst eingetretenen Sachverhalt. In diesem Sinne "akute" Notfälle mit Wespen- bzw. Hornissennestern sind die Ausnahme, im Regelfall führt erst die zufällige Entdeckung eines Neststaates zu dem Wunsch dieses "unbedingt" loswerden zu müssen.

In der überwiegenden Zahl der Fälle geht von Wespennestern jedoch keine Gefährdung aus. Bedenklich ist die Nähe zu Personen die auf Wespenstiche allergisch reagieren. Hier kann schon ein Stich lebensbedrohlich sein. Neststaaten sollten daher aus dem unmittelbaren Wohn- und Aufenthaltsbereich von - auf Wespengift allergisch reagierenden Menschen - entfernt werden. Bedenklich ist ferner die Nähe zu Kleinkindern auch wenn diese keine Allergiker sind. Hier besteht insbesondere bei den Kurzkopfwespen (Deutsche Wespe, Gewöhnliche- oder Gemeine Wespe) die Gefahr von Stichen in den Mund und Rachenraum bei der Aufnahme von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln (Limonade, Kuchen etc.), da Kleinkinder sich der Gefahr noch nicht bewußt sind bzw. nicht darauf achten. Wespennester insbesondere daher aus dem unmittelbaren Aufenthaltsbereich von Kleinkindern entfernt werden, wenn keine anderen Maßnahmen geeignet erscheinen, den direkten Kontakt zu vermeiden. So kann es z.B. viel angemessener sein, für einen absehbaren Zeitraum von manchmal nur noch wenigen Wochen oder 2-3 Monaten einen Bereich des Gartens abzusperren oder z.B. einen Holzschuppen abzuschließen in dem sich ein Nest im Endstadium seiner Entwicklung befindet.
Da nahezu jedes Vorkommen Besonderheiten aufweist und zudem eine Bewertung zu potenziellen Maßnahmen davon abhängt, um welche Faltenwespenart es sich handelt, ist eine Beratung erforderlich.
Die Entscheidung, ob die Möglichkeit besteht, einen Neststaat noch über einige Wochen oder wenige Monate zu tolerieren, ist eine Einzelfallentscheidung. Die Position des Nestes und die Frage, um welche Wespenart es sich handelt, bestimmen das Maß der "Gefährdung" (bei Allergikern etc.) bzw. Belästigung der Anwohner.
Für einen normalen - nicht allergisch aus Wespengifte reagierenden - Menschen sind Wespenstiche zwar unangenehm, jedoch harmlos. Gefährlich werden nur Stiche in den Mund- und Rachenraum, wenn die anschließende Schwellung die Atmung behindert. In solchen Fällen sollte unmittelbar ein Notarzt aufgesucht werden, gleiches gilt für Personen, bei denen der Verdacht auf eine starke allergische Reaktion besteht.

Stechen können bei den Faltenwespen jeweils die Arbeiterinnen und Königinnen (also die Weibchen). Der Stachel ist ein in der Stammesgeschichte umgewandelter Eiablegeapparat (Ovipositor). Die Männchen verfügen daher über keinen Stachelapparat und sind völlig harmlos. Im Gegensatz zu Honigbienen bleibt der Stachel nicht in der Haut stecken, die Tiere ziehen ihn mühelos heraus und können auch mehrfach stechen. Bei den verschiedenen Arten der Faltenwespen inkl. der Hornissen gibt es keine wesentlichen Unterschiede in der Intensität der Wirkung der Stiche auf den Menschen. Hinweise auf die angebliche Gefährlichkeit von Hornissen gehören in das Reich der Märchen und Legenden.

Der Stachel wird von den Sozialen Faltenwespen zum Schutz des Neststaates eingesetzt. Bei Angriffen auf den Menschen handelt es sich um Verteidigungsverhalten in der unmittelbaren Nestnähe. Insbesondere beim "Stochern" im Eingangsbereich von Bodennestern oder dem Erschüttern von Nestern in Bäumen, Sträuchern oder Dachstühlen etc. kann es auch zur Verteidigung durch zahlreiche Arbeiterinnen kommen, die einen eine "als Feind erkannte" Person auch verfolgen.
Besonders aggressiv bei der Nestverteidigung reagieren die Kurzkopfwespen, die Deutsche Wespe und die Gewöhnliche bzw. Gemeine Wespe, deren Nester im Zenit ihrer Entwicklung auch eine unangenehm hohe Zahl von verteidigungsbereiten Arbeiterinnen aufweisen können.
Demgegenüber verhalten sich manche der anderen Arten, wie z.B. auch die Hornisse relativ harmlos. Wenn man sich langsam bewegt, im Fall ausfliegender Arbeiterinnen ruhig stehenbleibt, ist es schon vielen Personen gelungen eine ungeschützte Hand vorsichtig auf ein Hornissennest zu legen ohne gestochen zu werden. Aber natürlich veranstalten auch die ansonsten gelassen reagierenden Hornissen Angriffe, wenn am Nest Erschütterungen auftreten.

Im Falle eines Wespen- bzw. Hornissennestes im Siedlungsbereich wird folgende Vorgehensweise empfohlen:

1 - Informieren der Anwohner über die Möglichkeiten der Tolerierung, das tatsächliche Gefahrenpotential und die Aspekte des Artenschutzes sowie der Nützlichkeit der Arten.

2 - Prüfung vor Ort, Bestimmung der Art, artspezifische Beratung der Anwohner, naturschutzfachliche Prüfung im Fall besonders geschützter und gefährdeter Arten.

3 - Bewertung und Abwägung im Einzelfall, ggf. Umsiedlung des Nestes sofern:
Eine tatsächliche Gefährdung besteht, dieses erreichbar ist und es sich nicht um eine der sehr häufigen, kulturfolgenden Arten handelt (gemeint ist hier v.a. die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe).

4 - Prüfung des Umsiedlungserfolges im Fall bemerkenswerter Arten (gefährdeter Arten, besonders geschützter Arten, in der Region seltener Arten).

5 - Archivierung der Daten, ggf. von Belegexemplaren, Ausfüllen von Protokollbögen um den Kenntnisstand über die Verbreitung der Arten in der Region zu verbessern.

 

Umsiedlung eines Neststaates der Sozialen Faltenwespen

Die Umsiedlung von Nestern ist in jedem Fall mit Risiken für den Weiterbestand des Nestes und damit des gesamten Potentials an Königinnen für die Folgegeneration verbunden. Verluste einer Anzahl von Arbeiterinnen sind der Regelfall, was jedoch von starken Völkern - bei fachgerechtem Vorgehen - in der Regel kompensiert wird. Umsiedlungen von seltenen, regional oder lokal bestandsgefährdeten Arten, sollten nur von Personen ausgeführt werden, die über einschlägige Kenntnisse verfügen. Dies betrifft nicht nur die Bestimmung der Arten, sondern auch die Behandlung der Nester und jeweils passende Biotope und Neststandorte für die Ansiedlung des entnommenen Nestes. Im folgenden werden zur Erläuterung des Sachverhaltes einige Hinweise gegeben, die jedoch nicht als vollständige "Handlungsanweisung" mißverstanden werden sollten.

Umsiedlungen können in dem Bautyp des unten beschriebenen Hornissennistkastens erfolgen. Bei diesem werden vorab die Öffnungen durch aufgeschraubte Holzleisten verschlossen.

Es wird grundsätzlich empfohlen, bei allen Handlungen direkt am Nest- oder Nesteingang einen Schutzanzug anzuziehen. Geeignet hierfür sind Imkeranzüge oder auch Spezialanfertigungen speziell für den Umgang mit Sozialen Faltenwespen. Diese Anzüge bestehen aus einem weißen Overall, einer Schutzhaube und Lederhandschuhen. Alle Verbindungsstellen sind mit Gummibändern oder Reißverschlüssen ausgestattet, um ein Eindringen der Tiere zu verhindern. Gleichzeitig sollten Gummistiefel getragen werden, um auch den Fußbereich ausreichend zu schützen. Selbst mit Schutzkleidung kommt es erfahrungsgemäß zwar selten, aber doch gelegentlich zu schwer vorhersehbaren Ereignissen, die zu einem Stich führen. Jeder, der sich hiermit befassen möchte, sollte daher vorab wissen, ob er allergisch auf Wespengifte reagiert. Man sollte sich darüber im klaren sein, daß bei allen folgenden Handlungen durch die Erschütterung des Nestes die überwiegende Zahl der Arbeiterinnen das Nest verläßt, um anzugreifen. Im Einzugsbereich dieser "Verteidigungshandlungen" sollten sich daher auch keine Zuschauer ohne Schutzanzüge aufhalten.

Ein umzusiedelndes Nest muß erreichbar sein - bzw. erreichbar gemacht werden. Hierzu sind in vielen Fällen Vorbereitungen zu treffen. Eine gute Vorbereitung verbessert den späteren Ablauf. Der Umsiedlungskasten wird in die unmittelbare Nähe des jetzigen Neststandortes gebracht und dort befestigt, die Tür des Kastens geöffnet.

Mit einem Messer - gut geeignet sind lange Brotmesser mit Sägeklinge - wird das Nest sodann von potentiellen seitlichen Verbindungsstellen gelöst. Im Fall von Nestern in Hecken bzw. Gebüschen werden zunächst die seitlich mit dem Nest verbundenen Zweige mit einer Rosenschere durchtrennt. Danach wird das Nest an der Hauptverbindung abgetrennt. Eine Hand unter dem Nest verhindet das Herabfallen. Sehr schmale Holzleisten werden seitlich durch das Nest getrieben, um es hiermit in dem Umsiedlungskasten auf dort - innen an den Seitenwänden - angebrachte Holzleisten auflegen zu können. Die Auflagestellen der Holzleisten werden mit schnell härtendem Holzleim fixiert. Bei Nestern aus Hecken und Gebüschen wird stattdessen der Zweig - an dem sich der Hauptanheftungspunkt des Nestes befindet - mit etwas Distanz vom Nest abgeschnitten, und das Nest mittels einer Drahtverbindung an diesem Zweig im Umsiedlungskasten aufgehängt.

Hiernach wird der ehemalige Nestbereich sehr gründlich gesäubert und ggf. abgewaschen, um den Tieren die Neuorientierung zu dem benachbarten, noch offenen Umsiedlungskasten zu erleichtern. Es muß den Arbeiterinnen genügend Zeit gegeben werden, sich auf die neue Situation einzustellen. Am besten ist ein Abwarten bis zum frühen Morgen den folgenden Tages, oder in die Abendstunden nach Sonnenuntergang. Dann wird der Kastendeckel schnell verschlossen und das Nest kann an einen neuen Standort verbracht werden. Der Transport sollte aufrecht - in der natürlichen Nestorietierung - und auf einer gut gefederten Unterlage erfolgen.

Der neue Standort des Neststaates sollte den Lebensansprüchen der jeweiligen Wespenart entsprechen. Neststaaten der in bzw. auch in Hohlräumen nistenden Arten werden im Umsiedlungskasten belassen und die Verschlüsse der Frontseite sowie des Bodens werden entfernt. Nester der +/- ausschließlich offen in Hecken und Gebüschen nistenden Mittleren Wespe (Dolichovespula media) werden wieder aus dem Umsiedlungskasten herausgenommen und an einem vorbereiteten Standort mittels der o.g. Drahtverbindung in einem geigneten Gebüsch wieder aufgehängt.

Bei der richtigen Auswahl von neuen Neststandorten können viele potentielle Fehler gemacht werden. Die Auswahl sollte "aus dem Blickwinkel" bzw. in Kenntnis der unterschiedlichen Biologie und Lebensraumansprüche der Arten erfolgen. Selbstverständlich ist auch darauf zu achten, dass ein neuer Standort nicht erneut zu Konflikten mit menschlicher Nutzung führt. Hierzu einige Stichpunkte:

Bauanleitungen für Umsiedlungs- und Ansiedlungskästen

Für die Nistkästen sind einschlägige Bauanleitungen bekannt. Hinweise mit Bauplänen und Werkstoffauswahl finden Sie unter:


 

 
Nicht "alle" Sozialen Faltenwespen können stechen. Die Männchen aller Arten sind völlig harmlos, sie beitzen gar keinen Stachelapparat.

 

Hier auf der Hand ein Männchen der Hornisse (Vespa crabro)
 
Einer der idealen Orte für Beobachtungen der Verhaltensweise und der Beutejagd. Hornissen und andere Wespen am Fallobst. Abseits vom Nest reagieren die Tiere in der Regel gar nicht aggressiv.
 
Ein Nistkasten, besiedelt durch ein volksstarkes Hornissennest.
 
Ein Blick in den Innenraum eines Hornissennestes, Arbeiterinnen bei der Larvenbetreuung.
 
Die Konstruktion der Nesthülle. Hornissen-Arbeiterin beim Ergänzen der Hülle.
 
Das Nestmaterial, hier frisch angebaut und noch feucht. Bei den verschiedenen Arten der Faltenwespen ist die Nesthülle durchaus unterschiedlich. Die der Hornissen (Vespa crabro) ist äußerst brüchig und zerfällt oft bei der ersten Berührung.
 
Geradezu das Gegenteil - die Nesthüllen der frei in Hecken und Gebüschen nistenden Mittleren Wespen - sie sind so elastisch gebaut, dass sie mechanischen Anforderungen problemlos wiederstehen.