Grunddaten zur Lebensweise der Sozialen Faltenwespen

Die Sozialen Faltenwespen sind eine Teilgruppe der artenreichsten Insektenordnung in Europa, der Hautflügler (Hymenoptera). Systematisch betrachtet handelt es sich um 2 Unterfamilien (Vespinae, Polistinae) der Familie der Sozialen Faltenwespen (Vespidae).

Beide Unterfamilien zeichnen sich durch eine soziale, staatenbildende Lebensweise aus. Der Entwicklungszyklus der Neststaaten bzw. Nester ist in Mitteleuropa ausschließlich einjährig und kann in fünf Phasen (a-e) unterteilt werden.

(a) Es überwintern nur die im Vorjahr befruchteten Königinnen. Die Überwinterung erfolgt an geschützten Stellen außerhalb des Nestes. Die Königin hat in einer Kammer ihres Genitalapparates den Spermienvorrat gespeichert der für eine Staatengründung ausreicht.

(b) Nach der Winterruhe suchen die Königinnen den Neststandort aus. Die Verhaltensmuster sind artspezifisch, und je nach Art werden unterschiedliche Biotope bzw. Kleinstrukturen für den Bau des Anfangstadiums des Nestes ausgewählt. Die Königin legt danach die ersten Eier in die von ihr gefertigten Wabenkammern. Erst nach dem Schlupf der ersten Serie von Arbeiterinnen unterstützen diese die Königin beim Nestbau, der Futtersuche und der Versorgung der Larven.

(c) In der Folgezeit steigt die Zahl der Arbeiterinnen und die Königin beschränkt sich auf die Eiproduktion. Die Nester nehmen an Größe und Zahl der Insassen in artspezifischem Maße zu. Der Neststaat entfaltet mit steigender Größe einen höheren Einfluß auf die umliegenden Biotope, da in zunehmendem Maße Beutetiere von der höheren Anzahl der Arbeiterinnen zur Versorgung der Larven eingetragen werden.

(d) Zum Zenit der Entwicklung des Neststaates setzt die Produktion von Geschlechtstieren (Männchen und Jungköniginnen für die Folgegeneration) ein. Jungköniginnen entstehen - ebenso wie die Arbeiterinnen - aus befruchteten Eiern, werden jedoch besonders gut gefüttert und in größeren Larvenkammern aufgezogen. Männchen entstehen aus unbefruchteten Eiern die ebenfalls von der Königin oder von dominanten Arbeiterinnen gelegt werden. Männchen und Jungköniginnen verlassen das Nest und kopulieren. Die Lebensspanne der Männchen ist kurz, sie sterben bald nach der Kopulation. Die Jungköniginnen suchen im Herbst ein Überwinterungsversteck.

(e) Nach dem Verlassen der Geschlechtstiere sterben die verbleibenden Arbeiterinnen und die Altkönigin. Bei manchen Arten erfolgt dies bereits im Sommer, bei anderen erst im Spätherbst nach dem Einsetzen der ersten Frostperiode. Das nun nicht mehr von Faltenwespen besiedelte Nest kann sich an geschützten Stellen noch lange Zeit halten, bis es von anderen Organismen oder durch Witterungseinflüsse zerstört wird. Auch in dieser Zerfallsphase werden Nester von anderen Insekten und Spinnentieren als "Kleinlebensraum" (Mikrohabitat) angenommen. Unter diesen Sekundärbesiedlern können sich ausgesprochen seltene Arten befinden.

 

Fallbeispiele zu Entwicklungsstadien bei Sozialen Falenwespen - aus dem Lebenszyklus der Hornissen (Vespa crabro)
Die Eiproduktion im Hornissennest obliegt der Königin, die Eier werden an die Wand der Brutzelle geheftet.
Auch die jüngeren Larven bleiben vorerst "angeklebt" in den Zellen.
 
Arbeiterin der Hornisse bei der Betreuung der Larven.
Erst die älteren Larvenstadien müssen sich durch Muskelkraft in den Zellen halten, denn die Larvenentwicklung erfolgt "kopfüber" in den Waben.
Die "reifen" Larven spinnen einen Kokondeckel. Hier eine ältere Larve, umgeben von bereits "eingedeckelten" Brutzellen.
Nach der Puppenruhe schlüpfen die "neuen" Arbeiterinnen oder "Jungköniginnen" aus den Zellen.