Methoden zur Artbestimmung

Der möglichst zuverlässigen Bestimmung der Arten (Determination) kommt in jeder Hinsicht eine besondere Bedeutung zu. Unterschiedliche Lebensweisen, Verhaltensspektren und Gefährdungsgrade der verschiedenen Arten erfordern eine artspezifische Bewertung eines Vorkommens und dem potentiellen Handlungsbedarf. Eine qualifizierte Beratung - z.B. über die Entscheidung ein Wespennest umzusiedeln oder unter Anwendung anderer Hilfsmittel vielleicht doch am Ort zu belassen erfordert die Bestimmung der jeweiligen Wespenart.

Es wird grundsätzlich empfohlen, bei Handlungen direkt am Nest- oder Nesteingang einen Schutzanzug anzuziehen. Geeignet hierfür sind Imkeranzüge oder auch Spezialanfertigungen speziell für den Umgang mit Sozialen Faltenwespen. Diese Anzüge bestehen aus einem weißen Overall, einer Schutzhaube und Lederhandschuhen. Alle Verbindungsstellen sind mit Gummibändern oder Reißverschlüssen ausgestattet, um ein Eindringen der Tiere zu verhindern. Gleichzeitig sollten Gummistiefel getragen werden, um auch den Fußbereich ausreichend zu schützen.

Für die Fälle der Bewertung eines sichtbaren Wespennestes mit geschlossener Nesthülle - oder in einem Hohlraum liegenden Nest, welches durch zahlreiche ein- und ausfliegende Tiere auffällt, kann eine Schnelldiagnose vorgenommen werden. Hierzu kann in vielen Fällen bereits mit Hilfe einer 10 - 15 fach vergrößernden Handlupe eine Artbestimmung mit dem hier mitgelieferten, vereinfachten Bestimmungsschlüssel erreicht werden. Um dies zu unternehmen ist es nötig, eine Arbeiterin (eine der am Nesteingang ständig ein- und ausfliegenden Wespen) zu fangen. Dies kann mittels eines handelsüblichen Insektennetzes, oder auch einfach mit einem Lederhandschuh am Nesteingang erfolgen. Hat man so eine Arbeiterin lebend gefangen, so sollte man sich zunächst aus dem Nestbereich entfernen. Dann kann in aller Ruhe eine Artbestimmung mit Betrachtung der im o.g. Schlüssel genannten Merkmale erfolgen. Die Artbestimmung bedarf der Einübung und eine Vergleichssammlung erleichtert die sichere Erkennung der gelegentlich variablen Merkmale. Sind über einen gwissen Zeitraum Erfahrungen gesammelt, so benötigt ein Bearbeiter im Regelfall keinen Bestimmungsschlüssel mehr, sondern erkennt die Arten ohne diese Hilfe.

Werden Standorte der Nester von Feldwespen (Polistinae) überprüft, deren Nester nur eine Wabe und keine Hülle aufweisen, oder sollen Männchen der Sozialen Faltenwespen oder der parasitoiden Kuckuckswespen bestimmt werden, so kann der hier mitgelieferte, ausführliche Bestimmungsschlüssel angewandt werden. Einzelne der hierfür zu betrachtenden Merkmale erfordern stärkere Vergrößerungen und damit die Verwendung eines binokularen Stereomikroskopes.

Konservierung und Präparation

Sofern zu Zwecken der Dokumentation einzelne Exemplare von Faltenwespen konserviert und aufbewahrt werden sollen, so kann dies am einfachsten in kleinen Glasröhrchen und 70-80%igem Alkohol erfolgen. Eine solche Entnahme bedarf in allen geschützten Teilen von Natur- und Landschaft - sowie grundsätzlich an jedem Ort für die besonders geschützten Arten gemäß der Bundesartenschutzverordnung einer vorab erteilten, schriftlichen Ausnahmegenehmigung durch die zuständigen Landschaftsbehörden.

Werden Trockenpräparate von Sozialen Faltenwespen angefertigt - z.B. für die Anlage einer Vergleichs- bzw. Referenzsammlung, oder die Weitergabe faunistisch bemerkenswerter Nachweise an eine museale Sammlung - so werden die Exemplare präpariert und in speziellen Insektenkästen aufbewahrt. Wer sich für die Entomologie (Insektenkunde) interessiert und an der Erarbeitung von Regionalsammlungen und der Erforschung von Verbreitung und Biologie der Arten mitwirken möchte, sollte sich an die entomologischen Vereine und Arbeitsgruppen wenden. In der Region "Niederrhein" wäre dies z.B. der Entomologische Verein Krefeld. Eine Übersicht zu den in anderen Regionen im Bundesgebiet aktiven entomologischen Vereinen und Arbeitsgruppen erhalten Sie hier: